FluSs
Entwicklung eines integrierten, ganzheitlichen Sicherheitsmanagement-Konzepts für Flughafeninfrastrukturen (= Flughafen-Sicherungssystem)
Motivation
Das Thema Sicherheit nimmt an Flughäfen einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Die nach den Terroranschlägen in New York und London stark erhöhten Sicherheitsanforderungen bedingen eine starke Beeinträchtigung der Flughafenprozesse. Unter Berücksichtigung stetig wachsender Passagierzahlen stehen die Flughafenbetreiber vor der Herausforderung, das bisherige Sicherheitsmanagement neuen Bedrohungen anzupassen und effiziente, skalierbare und kundenorientierte Prozessarchitekturen zu entwickeln.
Szenario
Flughafeninfrastrukturen können Ziel einer Vielzahl von Angriffen werden. Dabei muss den verschiedenen Bedrohungen mit geeigneten Aufklärungs-, Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen begegnet werden. Für weniger sicherheitskritische Bereiche könnte es ausreichend sein, die Wirkungen möglicher Attentate zu minimieren. Für kritischere Bereiche sollten passive oder zusätzliche aktive Schutzmaßnahmen geplant und für sehr kritische Bereiche eine frühzeitige Gefahrenerkennung ergänzt werden.
Ein Beispiel: Im weniger sensitiven Außenbereich eines Flughafens kann es aus Kosten-Nutzen-Erwägungen sinnvoll sein, lediglich die Auswirkungen eines möglichen Anschlags durch geeignete Maßnahmen zu minimieren, ohne kostenintensive Investitionen tätigen zu müssen. Im Terminal dagegen, in dem sich eine Vielzahl von Personen bewegen, sind alle Sicherungsmaßnahmen von der Minimierung der Auswirkungen über passive und aktive Schutzmaßnahmen bis hin zu einer frühzeitigen Gefahrenerkennung anzuwenden, um einem großen Schaden entgegenwirken zu können. Entscheidend ist, maximale Sicherheit durch gezielte Investitionen bei minimaler Beeinträchtigung der Personensicherheit und des Flugbetriebs zu gewährleisten.
Projektbeschreibung und Ziele
Auf Metaplan-Ebene wird ein theoretisches Konzept erarbeitet, das die Grundlagen und Rahmenbedingungen des zu entwickelnden Sicherheitsmanagement-Konzepts, kurz SMK, definiert. Als geeigneter Konzeptansatz, um den verschiedenen Bedrohungsszenarien in unterschiedlich kritischen Bereichen möglichst effizient zu entsprechen, wird das sogenannte Zwiebelschalenprinzip gesehen. Dabei werden sowohl der Flughafenstandort als auch dessen Umfeld betrachtet und beurteilt. Ziel ist eine Verdichtung der Maßnahmen und die Erhöhung der Sicherheit von außen nach innen.
Nach Konzepterstellung werden am Beispiel des Flughafens Frankfurt am Main Handlungsfelder mittels einer Gap-Analyse (Lückenanalyse) auf Basis der derzeitigen Sicherheitsinfrastruktur und -prozesse sowie einer Ereignis- und Schadensanalyse identifiziert. Diese sind Ausgangspunkt für tiefergreifende Analysen. Geprüft werden neueste Verfahren aus den Bereichen Durchleuchtungs- und Sensortechnologien zur Aufspürung von Gefahrstoffen, ID-Technologien, Ortungs- und Navigationstechnologien oder Technologien zur Objekt-, Bewegungs- und Mustererkennung. Die entwickelten Lösungen werden hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen sowie ihrer Kosten-Nutzen-Wirkungen bewertet, um als Ergebnis einen optimierten Maßnahmenkatalog abzuleiten. Bestimmt wird, welche Sicherheitsmaßnahmen, bei welcher Bedrohung und zu welchem Zeitpunkt initiiert werden müssen. Ihre Umsetzung erfolgt mithilfe der Konzeption einer integrierten Systemarchitektur und anhand ausgewählter technischer Demonstratoren.
Mit Abschluss des Vorhabens wird ein theoretisch fundiertes, umsetzungsreifes SMK vorliegen.
Innovationen und Anwendungen
Gegenüber bestehenden SMK liegt der Mehrwert des im Rahmen dieses Projektes entwickelten Ansatzes in der ganzheitlichen Betrachtung: Auf der einen Seite werden verschiedene Komponenten wie Technologien, Prozesse oder die Organisation optimiert. Auf der anderen Seite wird die Integration dieser Komponenten in ein innovatives Gesamtkonzept, das zudem das Flughafenumland berücksichtigt, verfolgt. Innovationen und Optimierungen sind darüber hinaus für Einzelkomponenten wie zum Beispiel neue Detektionsverfahren oder mit dem Einsatz multisensorischer Konzepte zu erwarten. Durch Anwendung des Zwiebelschalenprinzips kann nach identifizierter Bedrohungs- und Schadenseinstufung proaktiv mit abgestimmten Maßnahmen unterschiedlicher Sicherheitsstufen reagiert werden.
Die Ergebnisse können unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Rahmenbedingungen theoretisch an jedem deutschen Flughafen Anwendung finden. Zudem wird geprüft, inwiefern Ergebnisse für andere Verkehrsträger nutzbar gemacht werden können.



